Silkes Bunny-Village
Meerschweinchen

  

Seit 2002 leben Meerschweinchen bei uns. Anfangs hatten sie ein Gehege im Haus, später zogen sie in meinen großen Stall. Da die dort lebenden Kaninchen Meerschweinchen kannten, gab es nie Probleme.

 

 Im Februar 2007 fand ich im Wald zwischen Stubben und Söhren eine Gruppe ausgesetzter Meerschweinchen, Böckchen, Weibchen und Jungtiere.

 

Die Fundschweinchen direkt nach ihrer Ankunft. Maggies Babys starben trotz aller Bemühungen nach wenigen Tagen.
Maggie wurde vermittelt, starb aber in ihrem neuen Zuhause kurze Zeit später an einem Tumor.

Die beiden erwachsenen Böcke ließ ich kastrieren und vermittelte sie. Die Weibchen waren bereits gedeckt und bekamen bei mir ihre Babys. Einige konnte ich vermitteln, andere durften bleiben.

 

 

Goldie aus dem Wald und ihre Babys                           Emmi war auf einer Hundewiese ausgesetzt worden.

Goldie und Emmi durften bleiben, für die drei Jungs, die bei mir kastriert wurden, habe ich ein schönes Zuhause gefunden.

 

   

 

        Nur ein paar Meerschweinchen

 
Zum Tode verurteilt, lange bevor sie geboren wurden. Es waren ja nur ein paar Meerschweinchen. Ihre Mutter wurde achtlos ausgesetzt im Wald, zusammen mit mindestens sieben weiteren Meerschweinchen: Männchen, Weibchen und Jungtieren. Eins von ihnen erst wenige Tage alt.
Beim Spaziergang im Wald finden meine Freundin und ich die kleine verängstigte Gruppe; nass und zitternd. Zwei Meerschweinchen sind bereits tot. Die anderen können wir mühsam einfangen. Die Böcke werden sofort von den Weibchen getrennt, aber es ist natürlich zu spät. Beide Weibchen sind bereits wieder trächtig; gedeckt kurz nachdem sie geworfen hatten. Die eine ist selber fast noch ein Kind. Völlig überfordert mit der Trächtigkeit. Am Ende ihrer Kräfte, als der Tag der Geburt kommt. Der Vater der Babys wahrscheinlich ihr eigener Vater, Bruder oder Sohn. Die fünf Babys haben keine Chance. Sie leben zwei Tage und sterben dann trotz meines verzweifelten Versuchs, sie mit Katzenaufzuchtsmilch zu ernähren, eins nach dem anderen. "Ein Wunder, dass die Mutter die Geburt überlebt hat", sagt meine Tierärztin.
 
"Was soll's, das sind doch nur Meerschweinchen", sagen viele andere Leute und schlagen die Hände über dem Kopf zusammen über meine Wut und meine Trauer!
 
Nur ein paar Meerschweinchen... angeschafft vielleicht für die Kinder, weil sie ja so süß und anspruchslos sind. Eingesperrt in einen kleinen Stall; erst geknuddelt, dann vergessen. Plötzlich stellt sich Nachwuchs ein. Die Kinder sind zunächst begeistert. Dann stellt man mit Entsetzen fest, wie frühreif und fruchtbar Meerschweinchen sind. Inzucht führt zu Krankheiten und Missbildungen. Kastration!? Nein, das kostet ja Geld. 40 Euro Tierarztkosten für ein Meerschweinchen!?
 
Doch es werden zu viele! Die Kinder finden die scheuen Tiere längst nicht mehr interessant. Wohin mit den Meerschweinchen!? Tierheim? Die Abgabe dort ist unangenehm und kostet Geld! Einfach ab in den Wald mit ihnen. Vielleicht redet Mensch sich noch ein, dass die Kleinen da ihre Freiheit haben und ein glückliches Leben sie erwartet. Aber unsere Meerschweinchen haben keine Chance in der freien Natur. Sie werden zum Tode verurteilt von verantwortungslosen Menschen, die aus Dummheit zugelassen haben, dass die Tiere sich unkontrolliert vermehrten.
 
Kein Einzelfall, sondern alltägliche, traurige Realität. Die Täter sind oft ganz normale Familien, die nur mal süßen Kleintiernachwuchs produzieren wollen, weil das für die Kinder ja so schön ist. Niemand denkt darüber nach, dass die Tierheime voll sind mit ungewollten, abgeschobenen Tieren. Unverantwortlich, wer bewusst für die Vermehrung von Kleintieren sorgt. Egoistisch. Gedankenlos.
 
Nur ein paar Meerschweinchen.
In eine ungewisse Zukunft abgegeben oder einfach weggeschmissen und ihrem grausamen Schicksal überlassen.
 
Den Schmerz und das Leid dieser Tiere sieht der brave Bürger nicht mehr. Und die Mutter der Menschenkinder, die sich einst über die süßen Meerschweinchenbabys freuten, macht sich keine Gedanken um die Zukunft der verschenkten Tiere. Niemanden stört es, wenn ein Meerschweinchen einsam und alleine in einem winzigen Käfig oder dunklen Stall sein trauriges Dasein fristet. Es beschwert sich ja nicht. Es leidet stumm.
 
Ich leide mit, auch wenn es kaum ein Mensch begreift.
Es ist ja "nur ein Meerschweinchen"!
 
© Silke Rank, Altengörs 2007
 
 
 Barni, Baby von Fundschweinchen Goldie